2009-07-25

Ein Land wie Rom


das nach dem Willen der Götter ausersehen ist [...], die zerstreuten Mächte zu vereinigen, [...] den Menschen Menschlichkeit zu verleihen, kurz das alleinige Vaterland aller Völker auf dem ganzen Erdkreis zu werden." (Plinius der Ältere)

Dem Limesmuseum in Aalen gelingt es, den Macht- und Alleinvertretungsanspruch des antiken Rom mit vergleichbaren aktuelleren Ansprüchen z.B. des viktorianischen Englands, des Dritten Reichs oder der USA eines George W. Bush zu verknüpfen.

"Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich", wusste schon Mark Twain.


Eine der für mich neuen Erkenntnisse dieses Museumsbesuchs ist, dass der Limes nicht primär als militärischer Schutzwall das Eindringen von Feinde von außen, sondern als wirtschaftliche Grenze gegen marodierende Horden das Verlassen des römischen Besatzungsgebiets von innen verhindern sollte. Er stellte für leicht bewaffnete Germanen ein Hindernis dar, dass leicht überklettert werden konnte. Sobald sie jedoch nach Beutezügen schwer beladen wieder in ihre Heimatortschaften zurückkehren wollten, waren sie normalerweise auf die wenigen, mit Toren und Türmen bewehrten Durchfahrten angewiesen und konnten von den in der Zwischenzeit alarmierten römischen Fußsoldaten oder den - wie hier im Kastell Aalen stationierten - berittenen Soldaten abgefangen werden.



Dei Rekonstruktion eines antiken Baukrans

2009-07-24

Augen polieren für 5 Euro

Nase garnieren für 15 Euro oder Fell waschen für 45 Euro ...
... sind nicht die Angebote eines Boxclubs, der noch für seine Champions Sparringspartner sucht, sondern die Preise der Bärenklinik in Giengen an der Brenz. Fachleute werden jetzt bei diesem Ortsnamen schon wissen, dass dies nicht irgendeine Klinik ist, sondern der Geburtsort der Margarethe Steiff, in deren Geburtshaus Plüschtiere bei Bedarf verarztet werden.


Direkt daneben liegt das Steiff-Museum. Eine nette animierte Show rund um die Spielzeugwelt, die von hier aus die reale Welt erobert hatte, mit einigen Überraschungen, die auch Erwachsenenaugen strahlen lassen.

Das nachgebaute Arbeitszimmer der Margathete Steiff


Ein lenkbarer Reitelefant


und Sportgeräte, die teilweise bis 1990 gefertigt wurden


Ein Notfallkoffer mit Geheimrezept


Im Sternbild des Teddybären


Ein Kopf für den Voodoo-Kult?


Wo ist eigentlich die Steiff-Tier-Sammlung aus meiner Kinderzeit abgeblieben?

2009-07-23

automuseum-busch.de and more


Ich stehe jetzt auf einem der beiden Parkplätze, die von der Gemeinde Wolfegg offiziell für "autarke Wohnmobile" freigegeben sind. Was führt mich gerade nach D-88364 Wolfegg? Das Automobilmuseum von Fritz B. Busch. Autos, Motorräder, Nutzfahrzeuge und alle möglichen Devotionalien zu diesem Sujet, mit einem Sammlungsschwerpunkt im Zeitraum von 1905 bis 1980, hat der Automobiljournalist hier zusammengetragen, nicht ohne gebührend und häufig anerkennend auf sich selbst hinzuweisen.

Ein Ex-Trabant-Wohnwagen

Die Fahrt hierher führte mich nicht wie die gestrige Route von Isny aus durch Vorarlberg und den Riedbergpass

nach Oberstdorf, sondern heute - in Gegenrichtung, dem Navigationssystem hörig - vorbei an den wunderschönen Sommer-Bergwiesen des Allgäu, vorbei an den sich langsam zurückziehenden Hängen der Voralpen und vorbei an murmelnden Bergbächen. 

In der Breitachklamm

Mit drei der Wohnmobilsolistinnen

ging es heute in die Breitachklamm. Die Wassermassen des gesamten Kleinwalsertals mit einem Einzugsgebiet von immerhin 100 Quadratkilometern haben sich teilweise bis zu 80 Meter tief in den Fels geschnitten.

Kurze Erholung vor dem Runtergespültwerden

Kurtaxe

Hier in Oberstdorf setzt sich der Betrag, der der Wohnmobilstellplatzverwaltung zu entrichten ist, aus 12 Euro Basispreis, 2,5 Euro Strompauschale sowie 2,6 Euro Kurtaxe für einen Erwachsenen pro Tag zusammen.

Diese kommunale Sondersteuer, diese Anwesenheitsmaut, diese pauschale Platz-Plünderei irritiert mich etwas. Ist der Stadtkämmerer so dringend für einen ausgeglichenen Haushalt auf solche Einnahmen angewiesen? Was unterscheidet für mich, einen Durchreisenden, der eher zufällig in einer mauterhebenden Gemeinde nächtigt, solch einen Ort von einem mautfreien? Weshalb erkenne ich mit dem Entrichten einer Kurtaxe keine unmittelbaren Vorteile für mich? Sollen mit dieser Sonderabgabe eventuell Touristenströme gelenkt werden?

In unserer zunehmend mobiler werdenden Gesellschaft, in der die Orte der Begegnung austauschbarer werden, müssen Tourismusverantwortliche aufpassen, dass Besucher ihnen gewogen bleiben. Andersherum: die Hüter unzeitgemäßer Lokalsteuern sollten genau überlegen, ob nicht mittelfristig eine Kurtaxe wie ein Warnschild am Ortseingang "Liebe Besucher, hier werden Sie geschröpft" wirkt ...

2009-07-22

Wurzacher Ried


Irgendwo zwischen Ulm und dem Bodensee liegen Bad Wurzach und sein Wurzacher Ried. Das Ried gilt als eines der größten noch intakten Hochmoorgebiete Mitteleuropas. Im Bild: der Riedsee.

2009-07-21

Am Blautopf


Eine der schüttungsreichsten Quellen Deutschlands ist der Blautopf, die Quelle der Blau in Blaubeuren.

Der Fluss mündet nach ca. 20 Kilometern in Ulm in die Donau und trägt so, neben der von Süden zuströmenden Iller, dazu bei, dass die Donau ab Ulm schiffbar ist.  Durch das idyllische Blautal schlängelt sich neben dem Fluß eine eingleisige Bahnstrecke, eine Bundesstraße und ein Radweg, während die Hänge ab und zu den Blick auf den kalkhaltigen Untergrund der schwäbischen Alb freigeben.

Nabada

... ist keine Abkürzung einer Landesbank, sondern die Ulmer Besonderheit des "Hinabbadens". Dazu werden an diesem Lokalfeiertag - die Geschäfte schlossen am Nachmittag dieses "Schwörmontags" in Ulm - alle möglichen Boote in die Donau gesetzt. Von Schlauchbooten über Pontons bis hin zu miteinander vertäuten Ulmer Schachteln (bessere Flöße mit einer Schutzhütte an Bord) treiben den Fluss hinab.


Während in den kleineren Booten das Ziel zu sein scheint, die Besatzungen aller anderen Boote möglichst nass zu spritzen,

bleiben die Ulmer Schachteln davon verschont. Entweder spielen auf ihnen Blasorchester oder sie sind phantasievoll, vergleichbar mit den Motivwagen der Karnevalsumzüge,  mit Anspielungen auf Lokal- oder große Politik dekoriert.


Menschenmassen säumen die Donauufer, applaudieren bei besonders gelungenen Beiträgen oder skandieren den lokalen Schlachtruf "Ulmer Spatzen, Wasserratzen, hoi, hoi, hoi." Volksfeststimmung ...

2009-07-19

Hier geht es nicht um Logik

Besonderheiten der Kaschrutgesetze

Da das Alte Testament als nicht-koschere Geflügelarten nur Greifvögel erwähnt. sind somit eigentlich alle anderen Vögel koscher. Da allerdings genaue Kenntnisse über nicht-koscheres Geflügel fehlt, haben jüdische Weise die Regel aufgestellt: "Es darf kein Geflügel gegessen werden, das nicht der Tradition entspricht." Daher gelten Huhn, Truthahn, Ente, Gans Schwan und Tauben als koscher. Die Wachteln sind erst vor etwa 40 Jahren erlaubt worden, nachdem renommierte Rabbiner bezeugt hatten, dass man sie in wichtigen und bekannten jüdischen Gemeinden zu essen pflegte.

Tiere gelten - neben einer Vielzahl weiterer Einschränkungen - nur dann als koscher, wenn sie durch einen anerkannten Schächter geschächtet wurden, der danach das dabei benutzte Messer auf Beschädigungen hin überprüft hat.

Fische sind koscher, wenn sie Flossen und Schuppen haben. Der Aal ist somit nicht-koscher.

Fisch und Fleisch dürfen nicht gemeinsam gekocht werden. Es ist aber erlaubt, sie bei derselben Mahlzeit von getrenntem Geschirr zu essen.

In einer koscheren Küche gibt es zwei getrennte Bereiche: einen fleischigen und einen milchigen Bereich, jeweils mit Kochgeschirr, Tellern, Gläsern und Besteck unterschiedlicher Form, um Verwechslungen zu vermeiden. Manche Juden legen Wert auf zwei Geschirrspüler, jeweils einer für fleischiges und für milchiges Geschirr.


Juden ist der Verzehr von Speisen verboten, die von einem Nichtjuden gekocht wurden. Um dieses Verbot zu mildern, soll ein Jude beim Kochen mitwirken. Allerdings gibt es hierzu zwei Meinungen: entweder muss ein Jude den Topf selbst auf das Feuer gestellt haben oder es reicht aus, wenn ein Jude das Feuer angezündet hat. Mitunter reicht auch die Erhöhung der Backofenhitze durch einen Juden, um Speisen koscher werden zu lassen.

Hier geht es hauptsächlich um Glauben - und nicht um Logik.

(Alle obigen Äußerungen sind wörtlich oder sinngemäß dem Buch "Rabbi, ist das koscher?", Koscherliste Deutschland 2006/2007 entnommen.)


Koschere Gummibärchen

Zum Hintergrund: Ich besuche gerade das Museum für Brotkultur in Ulm und dort eine Sonderausstellung über koschere Ernährung (Alles koscher, Das Brot der Juden).

In der Kunstsammlung rund ums Brot sind Werke von (u.a.) Picasso und Dali zu finden.

Fischertänze



Am Sonntagvormittag ziehen Tanzgruppen und Solisten mit Lokalbezug durch die Ulmer Innenstadt. Wie hier der Ulmer Spatz


oder der flugpionierende Schneider von Ulm.


Die Hauptakteure beim Bauerntanz, bevor sie durch die beiden Schalksnarren zeitweise getrennt werden.

Lichterserenade

Eines der romantischen Highlights im Umfeld des "Fischerstechens" sind rund 5000 kleine Lowlights, die gestern Abend in der Dunkelheit die Donau hinabtrieben. Teelichter, in wasserfesten roten und gelben Lampions, die für kurze Zeit die gesamte Breite und, soweit das Auge am Ufer reichte, auch die Länge des Flußes einnahmen, waren auf das Wasser gesetzt worden. Den Abschluss des Lichtertreibens bildeten ein Feuerwerk und klassische Musik, beides von Ulmer Schachteln aus auf der Donau präsentiert.

2009-07-18

Ulmer Sommer

In munterer Runde trotzen die Wohnmobil-Solisten den doch sehr moderaten Temperaturen auf dem Stellplatz in Ulm.

In, um und um herum

Mike Krüger, Hildegard Knef, Erhard Eppler, Robert Bosch, Harald Schmidt, Uli Hoeneß, Claudia Roth und Albert Einstein haben gemeinsam, in dieser Stadt geboren zu sein.

An Albert Einsteins im 2. Weltkrieg zerstörtes Geburtshaus erinnert heute nur noch diese Skulptur.


Ein Produkt dieser Stadt scheint auch der Spatz zu sein, der sich der Krümmel unterhalb meines Cafe-Tischs annimmt und ebenfalls einen besonderen Bezug zur Lokalgeschichte dieser Stadt hat.

Auf dem Dachfirst der höchsten Kirche dieser Erde ist eine Friedenstaube mit einem Palmenzweig installiert worden, die aber aus der Entfernung vom Boden aus eher wie ein Spatz wirkt und zur Mythenbildung wahrscheinlich beitrug.


Ein Blick auf den Figurenschmuck über dem Hauptportal des Münsters.

Der Tross der Wohnmobil-Solisten auf Zipfeltour macht an diesem Wochenende Halt in dieser Stadt, ein Wochenende, an dem mit Fischerstechen und Nabada bis zum abschließenden Schwörmontag viele Touris - wie wir - hierher gelockt werden.

2009-07-05

Vareler Hafen

Die Segelfreizeit endete heute vormittag, wie üblich verbunden mit einem breiten Repertoire an Abschiedsgrüßen. Vom unterkühlten laschen Händedruck über herzhaftes Umfassen des Unterarms des Gegenüber bis hin zu langandauerndem Umarmen, fast immer verbunden mit dem gegenseitigen Versprechen, sich im nächsten Jahr wieder zu dieser Freizeit zu treffen.

Mein Weg führte mich danach an den Busen der Jade. Zunächst nach Dangast, dem "Nordseebad Dangast". Dieses Attribut ließ mir Übles schwanen. Die Parkplätze waren - bei diesem zugegebenermaßen schönen Wetter - sehhhr gut gefüllt, der Zugang zum Strand hätte mit einer Tageskarte für mindestens zwei Euro erkauft werden müssen und auf dem Campingplatz am Strand wäre mich eine übernachtung 18,60 Euro teuer zu stehen gekommen. Die Alternative: der Hafen von Varel. Entspannte Atmosphäre, nicht überlaufen, überschaubare, unaufdringliche Gastronomie, eine Mischung aus Freizeithafen und Industriebrache. Ich kann mir gut vorstellen, hier die Nacht zu verbringen.

2009-07-01

Segeln in Bad Zwischenahn

Auch in diesem Jahr, wie schon seit 23 Jahren, zieht es mich wieder in einen der Kurse der DJH-Segelschule in Bad Zwischenahn. Dass nicht nur ich Wiederholungstäter bin, kann man daran ablesen, dass in dieser Woche, der "Segelfreizeit I", von den 26 Teilnehmern bereits 24 in den Vorjahren hier waren. Dementsprechend groß ist die Wiedersehensfreude. Bad Zwischenahn bedeutet für viele die Rückkehr in eine vertraute Familie, zurück zu seiner Wahlverwandtschaft, verbunden mit der gespannten Erwartung, welchen Zuwachs diese Familie in diesem Jahr vorzuweisen hat.

Nachfolgend ein kurzes Video, entstanden während des Montags in einem Zugvogel, mit Ulla an der Pinne und Marion und Thomas als Mitseglern: