2008-05-31

Non in vita sed in schola venemus (oder so ...)



Das Gymnasium (und diese Bezeichnung umfasst zuvorderst seine Lehrerschaft), dem ich mein Abitur verdanke, feiert heuer sein hundertjähriges Bestehen. Für den heutigen Nachmittag sind alle Altschüler zunächst zu einem informellen Treffen im Schulgebäude in Essen
und ab 17:30 zu einem Abendmenu in der Zeche Zollverein eingeladen. Etwas enttäuschend ist die Resonanz in meinem Abiturjahrgang 1974. Von insgesamt 85 JahrgangskameradInnen haben sich gerade mal fünf für den heutigen Abend angemeldet. Im Vergleich dazu sind die Jahrgänge aus den 1950er Jahren deutlich stärker vertreten. Die Ursache? In den letzten zwei Jahren (Unter- und Oberprima) hatten wir keinen starren Klassenverband mehr, sondern ein offenes Kurssystem. In fast jedem Unterrichtsfach begegnete man neuen Schülerkonstellationen, so dass sich ein Gemeinschaftsgefühl kaum entwickeln konnte. Von den Mitschülern fühlte sich niemand verantwortlich, wenigstens Jahrgangstreffen nach dem Abitur zu organisieren ... und so verflüchtigte sich im Laufe der Jahr(zehnt)e leider der Wunsch danach. - So blicke ich jetzt hier, im Vorraum der Schulaula in einige Gesichter, die ungefähr mein Alter haben und spähen, ob ihnen möglicherweise ein Gesicht, um ein halbes Menschenleben gealtert, vertraut erscheinen mag.

2008-05-24

Würzburg in Schuss und Gegenschuss

Eine Aufnahme vom Mainufer hinauf zur Festung Marienburg, die andere hinab nach Würzburg. Dem geneigten Leser sei die korrekte Zuordnung überlassen.

2008-05-23

Ursprung der Röntgenstrahlung

Eine Stätte der selbstlosen Forschung: Wilhelm Conrad Röntgen verzichtete nach der Veröffentlichung seiner Entdeckung auf jegliche Patentierung, weil er diese Methode der bildgebenden Diagnostik der Menschheit ungehindert zur Verfügung gestellt wissen wollte.

Würzburger Ohrempfängnis

Am Nordportal der Würzburger Marienkapelle ist eine der christenwunderlichen Wege der Begattung Marias dargestellt: Gottvater bläst Maria mit Unterstützung des heiligen Geistes, des Vögelchens am Schlauchende, Klein-Jesulein (auf halber Schlauchlänge zu sehen) ins Ohr.

Der Grund meines Aufenthaltes in Würzburg ist das Zehn-Jahres-Jubiläum der Nachtreffen der Libyen-Dachzeltbusreisenden
(siehe http://radek.com/libyen98/).

2008-05-22

Kaysersberg


Den gestrigen Nachmittag und den heutigen Tag verbringt die WoMoSo-Gruppe in diesem bezaubernden Städtchen. Schon 1227 wurde das Schloss von Kaysersberg errichtet, um diese wichtige Verbindung zwischen dem Oberelsass und Lothringen zu sichern. Leider ist diese Bedeutung für den Durchgangsverkehr auch 2008 nicht geschwunden, so dass wir auf dem geräumigen WoMo-Stellplatz fast direkt an der D415 kaum die gewünschte Nachtruhe finden. Das Städtchen entschädigt aber für solche Unbill. Heute gehört Kaysersberg mit seinen vielen Fachwerkhäusern zu den Schmuckstücken des Elsass.



Die Gruppe der Frankreich-Fahrer ist in der Zwischenzeit auf vier zusammengeschmolzen: Wolfgang, Inge, Manfred und - selbstverständlich als la Maitresse du Voyage - Ulla werden morgen und übermorgen Strasbourg besuchen und damit offiziell diese Bummeltour beenden. Eine Tour, die uns dank der vorzüglichen Vorbereitung durch Ulla in wenig vertraute Ecken Frankreichs führte, die uns zu den Naturschönheiten dieses Landes brachte und uns genügend Zeit zum Verweilen und Nachkommenlassen der Seele ließ. Danke, Ulla!

2008-05-21

Beidseitiger Irrsinn

Während des ersten Weltkriegs sind alleine hier am Hartmannswillerkopf mindestens 13000 französische und deutsche Soldaten getötet worden. In zermürbenden Stellungskriegen wechselte die Herrschaft über die Bergspitze in den Südvogesen zwischen 1914 und 1918 achtmal, um dann zum Zeitpunkt der deutschen Kapitulation doch nur wieder je zur Hälfte in deutscher und französischer Hand zu sein. Wie gestern Nacht Helmut Schmidt in einer Maischberger-Sendung erwähnte, war der erste Weltkrieg, der nur zwischen "christlichen" Nationen ausgetragen wurde, definitiv kein Zeugnis für die Friedensliebe des Christentums.

2008-05-20

Unsere liebe Frau auf der Höhe

So ist zumindest der offizielle Name der Wallfahrtskirche oberhalb Ronchamp. Ihre Berühmtheit und den Grund unseres Besuchs zieht sie aus ihrem Baumeister, Le Corbusier. In einer für die Mitte der 1950er Jahre gewagten Freiheit hat er ein Kunstwerk geschaffen, das leider der Verehrung eines Phantasiewesens gewidmet ist. Die Anzahl der Kanzeln und Altäre an und in diesem Bauwerk sind beeindruckend. Wahrscheinlich könnte man drei Anbetungsfeiern gleichzeitig hier abhalten, ohne dass diese einander stören.



Ich habe mir erlaubt, auf Anregung einer Mitreisenden von einer Kanzel aus über die Spaghetti als solche zu predigen.

Unser heutiger Übernachtungsplatz liegt am Ecomusee d'Alsace bei Ungersheim. Dieses Museum wird morgen früh wahrscheinlich unser erster Anlaufpunkt sein.

Hohe Burgen und tiefe Mühlen

Unsere gestrigen Etappenziele im französischen Jura waren die Burg Joux, mehr als 100 Meter über der Talenge gelegen, die von ihr bewacht wurde, und die unterirdischen Mühlen des Col-des-Roches.

Die Geschichte der Burg Joux als Militärfestung begann im Jahr 1034 und endete 906 Jahre später mit einem achttägigen Widerstand gegen die deutsche Armee. Auch Heinrich von Kleist hatte die zweifelhafte Ehre, unter Spionageverdacht im Januar 1807 in dieser Burg inhaftiert gewesen zu sein.

Die unterirdischen Mühlen bei Le Locle in der Schweiz (richtig, wir haben Frankreich mal kurz verlassen) sind in ihrer Art einzigartig in Europa. Vor über vierhundert Jahren hat man ein natürliches Grottensystem, dass von einem Fluss durchzogen wurde, so erweitert, dass auf drei übereinander liegenden Ebenen durch Wasserräder u. a. Getreidemühlen, Ölmühlen und ein Sägewerk betrieben werden konnten - und dies alles unterirdisch. Dass das Mehl durch die natürliche Feuchtigkeit in der Grotte so nass wurde, dass es spätestens am nächsten Tag verbacken werden musste, um Schimmelbildung vorzubeugen, nahm man lange Zeit in Kauf.

Unser heutiger Übernachtungsplatz ist der Fortbewegung auf ebener Erde gewidmet. Wir stehen vor dem Peugeot-Museum in Sochaux; unsere Etappen heute beginnen mit einer Besichtigung des Auto-, Fahrrad- und Haushaltsgerätemuseums dieser Firma.

2008-05-18

Auf der Tannenstrasse

Die zwei Highlights dieses Tages waren zum einen die Cascades du Herisson, eine Reihe von Wasserfällen, die ein Flüsschen namens Herisson in einem lauschigen Waldtal mitten im französischen Jura miteinander verbindet, und andererseits die Fahrt auf der "Route des Sapins", der Tannenstraße. Zwischen Champagnole und Levier windet sich eine bessere Forststraße durch den Foret de la Joux und lädt zu einer Annäherung an die Nadelwälder dieser Region ein. Das Foto zeugt von Rücksicht auf der Tannenstraße.

Als Nachtquartier haben wir uns den Campingplatz in St-Point-Lac ausgeguckt. Mit 13,10 EUR für eine Stromübernachtung bisher mein Preisspitzenreiter ...

2008-05-17

Denk mal in Nantua

Das erste Denkmal, das nach dem Zweiten Weltkrieg im Gedenken an die Opfer der Nazidiktatur in Frankreich errichtet wurde, befindet sich in Nantua. Über 1000 Menschen wurden während der Besatzungszeit allein aus diesem Departement deportiert und zum größten Teil in den deutschen KZs ermordet. Leider reichte die Zeit nur für einen kleinen Abstecher in das Museum der Resistance hier im Ort.

2008-05-16

Hautecombe

In der Abtei von Hautcombe sind viele des Herrscher Savoyens bestattet. Einige mit großer handwerklicher Sorgfalt gearbeitete Standbilder und Epitaphen sind hier zu bewundern.


Auch der letzte König Italiens, Umberto II., ist in der Abtei beigesetzt. Auf dem Foto sein Sarkophag.


Unsere heutige Nachtruhe finden wir an einer Straußenfarm. Auf dem Foto neckt Hermann gerade ...

2008-05-15

Befremdliche Wirklichkeit



Wir haben heute mit unserer WoMo-Teilgruppe kurz vor dem Tagesziel noch das Museum der Grande Chartreuse besucht. Dieses Museum führt in die Geschichte und Gegenwart des Kartäuserordens ein. Seit über 900 Jahren leben die Mönche dieses Ordens in selbstgewählter Abgeschiedenheit, zölibatär, schweigsam und "gottgefällig". Originalton eines der Mönche in einem dort gezeigten Video: "Ich bin aus der Welt herausgetreten und in die Wirklichkeit eingetreten." Schade um jedes so vergeudete Leben eines Menschen, der sich innerhalb dieses Ordens sein ganzes Leben im Diesseits darauf vorbereitet, im Jenseits eine gute Pole Position zu erhalten. Wieviel Kreativität, wieviele kluge Köpfe, die die Menschheit wirklich weiter gebracht hätten, gehen durch solch einen Aberglauben verloren?

Im Bild die Erlöserkapelle vor dem Museum.


Ich freue mich schon langsam wieder darauf, in eine Umgebung zurückzukehren, in der spontane Gespräche mit Unbekannten möglich sind. Gut, mein Rudimentär-Französisch reicht, um zu überleben oder erfolgreich zu reklamieren, wenn mir - wie gestern geschehen - im Intermarche 12 Flaschen Wasser mit 24 Euro statt mit 3,20 Euro berechnet werden. Und in unserer WoMo-Teilgruppe bin ich bei Bedarf der einäugige "Roi" (fr., "König") unter Sprachblinden. Aber dieser selten variierte Dialog mit Franzosen: "Parlez-vous anglais ou alemand?" "No!" nervt schon etwas.

Nach Norden ...

Unsere Route führt uns jetzt wieder in kurzen Etappen, aber bestimmt, nach Norden. Gestern früh verließen wir den Campingplatz in Castellane und fuhren über die Route Napoleon, die N85, auf einer teilweise waghalsig aus dem Fels gehauenen Straße mit spektakulären An- und Aussichten über Barreme, Digne-les-Bains, Seyne und Savines-le-Lac nach Chorges. In Digne, der größten Stadt auf der Strecke, tauchten wir während eines Stadtbummels in das quirlige Treiben eines Wochenmarktes ein. Die engen, verwinkelten, steilen Gassen der Innenstadt Dignes durften ich und meine 6 Meter 60 lange Hülle kennenlernen, als das Navigationsgeräts unseres "Kolonnenführers" uns kurzzeitig einen suboptimalen Weg in Richtung Seyne vorschlug.

Eine weitere Rast legten wir bei Ubaye am Ufer des Lac de Serre-Poncon ein, eines Stausees, der seit 1960 die Wassermassen der Durance regulieren hilft. Das alte Ubaye ging damals unter, nur der Friedhof ist seinerzeit auf ein höheres Plateau umgebettet worden. Einige Anmerkungen zur Sepulkralkultur, die mir auf dem Friedhof auffiel: Auf einigen Gräbern stand eine rührend anmutende Vielzahl von Erinnerungstäfelchen und Dauerblumengestecken. Eine persönlicher und nachhaltiger anmutende Form der Trauerarbeit als die üblichen Kranzabwürfe an deutschen Gräbern.

Unser Stellplatz für diese Nacht in Chorges ist ein relativ geräumiger, kostenlos nutzbarer Platz, der offenbar von der Stadt für Wohnmobilisten eingerichtet wurde.

Unser Route für heute: weiter auf der Route Napoleon via Gap und Grenoble nach St. Pierre-de-Chartreuse, also ins Herz der nördlich von Grenoble liegenden Gebirgsregion, in die sich vor vielen Jahrhunderten wegen ihrer Abgeschiedenheit Kartäuser-Mönche zurückgezogen hatten. Auch heute noch führt der einzige Weg zum "Convent de la Grand Chartreuse" durch eine enge Schlucht, die Gorges Du Guiers Mort.

Grenoble ... ich bin gespannt, welche Gefühle ich erleben werde, wenn wir diese Stadt durchqueren. Eine Stadt, die ich in den vergangenen 28 Jahren immer mal wieder aus beruflichen Gründen aufgesucht habe, in der ich 1994/1995 vier Monate gearbeitet habe und in der ich in einer Bank immer noch ein Konto mit einigen Euro besitze ...

2008-05-13

Wanderung am Fuße der Verdon-Schlucht

Einige aus unserer Gruppe haben sich heute morgen, an einem Ruhetag, aufgemacht, die Schlucht des Verdon zu durchwandern. Geschotterte Pfade unter überhängenden Felswänden, unbeleuchtete Tunnel, die teilweise knöcheltief unter Wasser stehen und nur mit Hilfe guter Taschenlampen zu durchqueren sind, und Stahltreppen leiten in einem dreiviertel Tag die Mutigen am Verdon entlang.

Ich war nicht ganz so ambitioniert und bin nur vom Endpunkt aus für eine Stunde in den Pfad hineingestiegen und danach zurückgekehrt. Es war schon ein Erlebnis der besonderen Art, die Taschenlampe auch einmal auszuschalten, in dem stockfinsteren Tunnel zu stehen und nur auf das leise Aufschlagen der Wassertropfen, die von der Decke fielen, zu lauschen. Eine Übung im Schärfen der Sinne ...

2008-05-12

Durchs wilde Verdonistan


Unser Weg führt uns heute durch die Schluchten des Verdon. Tief unter uns rauscht der Fluss, der hier teilweise 150 Meter tief senkrecht abfallende Wände in das Sedimentgestein gefräst hat.



Für Alpinisten sind diese Felsen des "europäischen Grand Canyon" ein beliebtes Kletter- und Übungsgelände. Auf teilweise halsbrecherich gewundenen Straßen geht es - häufig ohne einen ernst zu nehmenden Absturzschutz - an den Hängen entlang. Ich hoffe, dass auf dem nachfolgenden Video diese Eindrücke zu erahnen sind.

2008-05-11

Lavendelfelder

Kurz vor Riez: Brigitte und Peter inmitten ausgedehnter Lavendelfelder. Leider duftet es nur vertraut, wenn die Blätter zwischen den Fingern zerrieben werden.

Papst- und Weinland

Avignon hat in der europäischen Kulturgeschichte sicherlich kaum einen herausragenden Platz wegen des Liedchen "Sur le pont d'Avignon" (wobei historisch korrekt - wenn überhaupt - unter der Brücke, "Sous le pont", getanzt wurde), sondern wegen des Exils der selbsternannten Stellvertreter Gottes, der Päpste, zwischen 1309 und 1405 in diesem Ort.


Der in diesen fast hundert Jahren erbaute Papstpalast, ein weitläufiger Gebäudekomplex, lässt immer noch die Machtfülle und den Reichtum der Kurie erahnen. Zwar ist vom ehemaligen Prunk, der Möblierung und den Wandgehängen kaum noch etwas vorhanden, aber die wenigen erhalten gebliebenen Fresken, Bodenfliesen und die Ausmaße der Räume selbst vermitteln einen guten Eindruck der "babylonischen Gefangenschaft" der sieben Päpste in Frankreich.

Unser Weg führt uns weiter zu unserem Tagesziel, einem Parkplatz direkt oben an der Schlossruine in Chateauneuf-du-Pape. Der Blick schweift von hier weit über sanft ondulierte Hügel und die Weinanbauflächen an den Ufern der Rhone, den "Cotes Du Rhone".

2008-05-10

Peter und Udo vor der Pont d'Avignon

und warten auf den Nachzögling unserer Fünfer-Gruppe, Brigitte. Nach dem Abstecher zur Domain Ricard ist die alte Papststadt unser heutiges Mittagsziel.

Domain Ricard

Ein Abstecher zur Domain Ricard, die dem Camargue-suchenden Touristen ein Rund-um-Paket der Stereotypen anbietet: eine Stierkampfarena, eine Bummelbahn durch einen Teil des Naturschutzgebietes, mit Gruppen-Ausritten auf Schimmeln, mit garantiertem Blick auf Flamingos, Reitern und Stieren.

2008-05-09

Drosselgasse in Bernkastel-Kues ob der Tauber,

mit einem Schuss Altötting, dass alles gemischt mit einer Sauce Francaise mit Kräutern der Camargue, ergibt ... Saintes-Maries-de-la-Mer.



In der Keimzelle des Ortes, der Wehrkirche aus dem 9. Jahrhundert, wurde mir kurzzeitig in der Krypta wegen der Wärme etwas übel: in der ohnehin nicht hohen Unterkirche brannten hunderte von Opferkerzen. Dutzende von Gläubigen, die dafür sorgten, dass ständig weitere Kerzen entflammt wurden, und der ohnehin nicht hohe Luftumschlag in der Gruft trugen nicht zu einem angenehmen Aufenthalt bei. Was bringt man nicht alles für Opfer zum Wohle des Herrn ...

Totes Wasser

Aigues-Mortes ("Totes Wasser") ist nicht nur der Name der mittelalterlichen Hafenstadt, die heute Mittag auf unserem Programm steht, sondern gleichzeitig eine Beschreibung des Schicksals dieses Ortes. Von Ludwig IX. 1240 n. u. Z. als erste Hafenstadt des französischen Königreiches am Mittelmeer geplant, wurden die beeindruckenden Stadtmauern mit ihren Wehrtürmen bis 1310 fertig gestellt. Allerdings erwies sich der Standort an einer Lagune, die nur über Kanäle mit dem Meer verbunden war, als Nachteil. Die Zufahrtskanäle versandeten zusehends und die Stadt fiel im 16. Jahrhundert in einen Dornröschenschlaf, aus dem erst die Touristenmassen der letzten hundert Jahre sie wieder wachgeküsst haben.

Heute kann man die intakte Stadtmauer auf ihrer Krone komplett umrunden. Im Hintergrund sind die Salzhügel der Salinen zu sehen. Auch heute noch und nicht nur zu den Zeiten, als Pökeln eine der wenigen Methoden zur Konservierung von Lebensmitteln war, wird in den flachen Gewässern des Rhone-Mündungsdeltas Meersalz gewonnen.

Während meines rund dreistündigen lohnenswerten Aufenthaltes in Aigues-Mortes war ich etwas verwundert, keinem der anderen Wohnmobil-Solisten über den Weg zu laufen. Des Rätsels Lösung: die Parkplatzsituation wirkte bei unserer Ankunft etwas angespannt. Mit etwas Suchen konnte man einen kostenpflichtigen Parkplatz fast direkt an der Stadtmauer finden, der für unsere Wohnmobile im Prinzip genügend Raum bot. Aus diversen Gründen wurde der Platz aber als ungeeignet empfunden und per CB-Funk die Devise ausgegeben: "Wir verzichten auf einen Besuch." Da ich im Verkehrsgewühl den Anschluss an meinen Teilconvoy verlor und kein CB-Funkgerät besaß, blieb ich von dieser Nachricht glücklicherweise verschont.

2008-05-08

Grotte des Demoiselles

Ich nutze den Ruhetag, um mit meinem Motorrädchen zu einer der Naturschönheiten dieser Region zu fahren, den Grotte des Demoiselles.


Der Zugang zu diesem Höhlensystem erfolgte ursprünglich über ein Einstiegsloch vom höher gelegenen Bergplateau aus, bis man einen 160 Meter langen Tunnel mit einer Höhendifferenz von 52 Metern in den Fels schlug und eine Standseilbahn einrichtete.




Die Höhlen selbst enthalten eine Fülle von Tropfsteinwundern, Stalaktiten und Stalagmiten, mächtige Säulen und hohle Kalkfächer, auf denen unser Guide eine kleine Melodie spielt, die an dumpfe Steel Drums erinnert. Die Grotten sind von Treppen und Gängen durchzogen, die mich an das Labyrinth im Film "Der Name der Rose" erinnern.

Geburtstag am Ruhetag

Der heutige Tag ist als Ruhetag eingeplant. Auf dem Campingplatz bei Ganges bleiben unsere WoMos zwei Nächte unbewegt. Brigitte-OD feiert heute ihren 39. (oder so ähnlich) Geburtstag und überrascht uns mit einem kleinen Sektempfang.

2008-05-07

Einer der Höhepunkte der Reise



Der Mont Aigoual mit seinem Observatorium in 1567 Metern Höhe ist wahrscheinlich das höchstgelegene Mittags-Etappenziel unserer Frankreich-Bummeltour. Als Wohnmobilist kommt einem hier schon entgegen, dass man sich aus seinem mitgeschleppten Kleiderfundus gut bedienen kann, um sich gegen den böigen kalten Wind zu wappnen, der über die Bergkuppe fegt.

Von der Bergspitze aus reicht der Blick weit ins Land und erlaubt einen Vorgeschmack auf die serpentinenreiche Straße, auf der wir kurz danach wieder ins Flachland fahren.
Wir - in unserem Teil-Convoy der Wohnmobil-Solisten - sind u. a. (von links) Udo, Peter und Brigitte, hier bei einem kurzen Zwischenhalt, um die Aussicht noch einmal zu genießen.

2008-05-06

Oberhalb der Gorges du Tarn


Unser Weg führt uns Tarn-aufwärts durch seine berühmten Schluchten.

Wir haben unseren Campingplatz für die heutige Nacht direkt am Flußufer in Les Vignes eingenommen. Außer uns scheinen nur noch Wassersportler hier auf dem Platz zu sein, die den Tarn mit Kajaks und Kanus gefahren.
An dem Abend habe ich erstmals mein Motorrädchen aus der WoMo-Heckgarage geholt, um damit die Hunderte von Höhenmetern bis zur Abbruchkante der Schlucht hinauf zu fahren und das nebenstehende Foto zu schießen.